Schatten psychologie projektion tabelle

Freud, Jung und der prophylaktische Pessimismus 4. Adler, Schultz-Hencke und das positive Erziehungsziel 4. Die Rolle der Eltern bei der Entstehung frühkindlicher Neurosen 5. Elterlicher Konflikt und kindliche Rolle 5. Das Kind als Substitut für eine Elternfigur 6. Das Kind als Gatten-Substitut 6. Das Kind als Substitut für eine Geschwisterfigur 6.

Das Kind als Abbild schlechthin 6. Das Kind als Substitut des idealen Selbst 6. Das Kind als Substitut der negativen Identität Sündenbock 6. Das Kind als umstrittener Bundesgenosse. Ältere psychoanalytische Ansätze der Neurosenlehre legten ihr Augenmerk in aller Regel auf die Triebregungen und Wünsche des Kindes.

Der Bedeutung der Eltern wurde dabei unterschiedliches Gewicht beigemessen. Hieraus werden Rollenerwartungen mit unterschiedlichen traumatischen Konsequenzen für das Kind generiert. Auf die besonderen traumatischen Auswirkungen, die sich für das Kind ergeben, wird jeweils gesondert eingegangen. Die immense psychologische Bedeutung der Familie wurde jedoch erstmals von Freud vgl.

Dorsch, und später auch von Psychoanalytikern anderer Schulen, wie beispielsweise A. Adler, hervorgehoben. Nicht zuletzt aus diesem Grunde erscheint es lohnenswert, sich mit diesem Ansatz weiter zu beschäftigen. Der kausale Ansatz wirft aber gleichzeitig viele Fragen auf: Unterliegt die Entstehung familiärer Konflikte und kindlicher Neurosen ubiquitären Mechanismen?

Kann es eine Erziehung geben, welche der Bildung von Neurosen entgegenwirkt? Welche Rolle kommt den individuellen Prädispositionen des Kindes zu? Welche den Charaktereigenschaften der Eltern? Seine Erkenntnisse gewann Richter aus Beobachtungen klinischer Fälle, die er während seiner Tätigkeit in einer familientherapeutischen Einrichtungen machen konnte.

Die wichtigsten Ergebnisse seiner Studie sollen in diesem Referat vorgestellt werden. Hierzu werden zunächst in einer kurzen Übersicht vier klassische psychoanalytische Ansätze dargestellt. Im vierten und letzten Abschnitt der Arbeit soll eine kritische Würdigung der Ansätze versucht werden. Tolstoi, Anna Karenina, S. Freud gewann seine Erkenntnisse zunächst unmittelbar aus der Behandlung seiner Patienten, und sowohl er als auch seine Schüler bauten ihre weitere Forschung auf diesem Fundament auf.

Auf diese Weise entstand eine allgemeine psychologische Theorie, in der zwei Prinzipien als fundamental angesehen werden können vgl. Jede Handlung und jede emotionale Regung ist auf dem Hintergrund früherer Erfahrung versteh- und erklärbar. Es gibt demzufolge stets einen kausalen Zusammenhang zwischen unseren früheren und jetzigen psychischen Erlebnissen.

Wie auf einer Wachsmatrize wird unser gesamtes psychisches Erleben, und nach psychoanalytischer Auffassung geht es dabei in der Hauptsache um Trieberfüllung bzw. Versagung, an bestimmter Stelle im sogenannten psychischen Apparat aufgezeichnet. Nach dieser Sichtweise sind wir somit das Produkt unserer früheren Erfahrung, wobei, nach engerer Freudschen Sichtweise, die frühe Kindheit entscheidend ist Freud, ; nach Richter, Bei den verdrängten ,,Triebrepräsentanzen" handelt es sich in erster Linie um frühe Kindheitswünsche - hier zeigt sich auch die enge Verknüpfung der beiden fundamentalen Prinzipien der Lehre Freuds.

Die Aufgabe des Ichs besteht nun darin, die beiden gegensätzlichen Regungen zu synthetisieren, wobei dem Ich verschiedene Mechanismen, zum Beispiel Verdrängung, Sublimierung, Verleugnung etc. In seinen ,,Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse" nennt Freud drei traumatische Situationen, denen bei der Entstehung von Neurosen wichtige Bedeutung zukomme: ,,die Beobachtung des elterlichen Verkehrs, die Verführung durch eine erwachsene Person und die Kastrationsdrohung" Freud, ; zitiert nach Richter, , S.

Dieser Katalog neurosefördernder elterlicher Verhaltensweisen wurde insbesondere in den zwanziger Jahren noch durch die von Freud angeregten Forschungen erweitert. Man gab sich in dieser Periode der Hoffnung hin, man müsse diese Handlungen bei der Erziehung lediglich vermeiden, um der Entstehung von kindlichen Neurosen und Störungen sicher vorzubeugen.

Auf diese Weise könne dann das Ziel der Familie, d. Doch diese optmistische Annahme erwies sich als falsch. Viel wesentlicher erscheint, wie der Neurotiker sie selbst erlebt hat. Dem psychischen Erleben oder, wie Freud es nennt, der ,,psychischen Realität" wird eindeutig der Vorrang vor der materiellen eingeräumt. Der zuerst unter den Psychoanalytikern vorherrschende Optimismus wurde durch eine Periode des Pessimismus abgelöst Anna.

Freud ; zumal Freud selbst in seinen späteren Werken das Augenmerk immer stärker auf phylogenetische bedingte und unvermeidliche Faktoren der Neurosenentstehung richtete. Als phylogenetische Faktoren sind zu nennen:. Richter, , S. Hinzu treten eine Vielzahl von unvermeidlichen Belastungen, die überall vorkommen und ebenfalls als unvermeidlich anzusehen sind, wie das Abstillen, die Sauberkeitserziehung, die Geschwisterrivalität oder die Konkurrenzproblematik der ödipalen Phase.

Ebenso wie für Freud nahm er zunächst die ,,affektive Beziehung zu den Eltern" Jung, C. Archetypen werden durch die ureigensten Menschheitserfahrungen gebildet, was sich, so die Jungsche Auffassung, in den ewig wiederkehrenden, gleichen Thematiken in Sagen, Mythen, aber auch in der Kunst und Literatur widerspiegelt. Ein solcher Archetypus ist beispielsweise der ,,Schatten", welcher die bösen Anteile unseres Selbst repräsentiert.

Eine Personifizierung erfährt er durch den Satan oder den Bösewicht, der in Sagen stets durch den strahlenden Helden besiegt wird. Es mag fruchtbar und anregend sein, sich auf diesem Hintergrund mit Kunst und Literatur auseinanderzusetzen, für die Erforschung der Bedeutung sozialer Einflüsse bei der Erziehung hat sie sich hingegen als wenig impulsgebend erwiesen. Zumal Jung in seiner negativistischen Auffassung noch einen Schritt über Freud hinausging, als er die Frage, inwiefern die Eltern für die Entwicklung des Kindes wichtig seien, wie folgt beantwortete: nicht etwa darum, weil sie diese oder jene menschliche Fehler oder Vorzüge haben, sondern weil - sozusagen zufälligerweise - sie die Menschen sind, die dem kindlichen Gemüt zum erstenmal jene dunklen und mächtigen Gesetze vermitteln Jung, , S.

Alfred Adler, ebenfalls ein ehemaliger Schüler Freuds und Begründer der Individualpsychologie, akzentuierte die Eigenschaften und den Erziehungsstil der Eltern wesentlich stärker. Adler unterschied dabei drei wichtige Erlebnisursachen: die Organminderwertigkeit, Zärtlichkeitsmangel und übertriebene Zärtlichkeit. Das Erlebnis der Minderwertigkeit eigener Organe führt, so A.

Adler, zu Minderwertigkeitsgefühlen, die kompensiert oder, im pathologischen Falle, überkompensiert werden müssen. Das Streben nach Macht und Überlegenheit wird überspitzt und ins Krankhafte gesteigert Adler, Alfred, , S. Übertriebene Härte führt nach individualpsychologischer Sicht zur Gefühlsscheu und Isolation, wohingegen eine Verzärtelung zu einem übersteigerten Anspruchsdenken sowie dem Bestreben führe, die Umgebung unter den Druck egoistischer Ansprüche zu setzen.

In beiden Fällen sei das Ergebnis eine Unterentwicklung des Gemeinschaftsgefühl, in dem A. Adler den Sinn des Lebens erkannt zu haben glaubte. Sie [die Individualpsychologie; Anmerkung des Verf. Der materialistisch geprägten Theorie Freuds stellt A. Adler eine an humanistischen Grundsätzen orientierte psychologische Theorie gegenüber, welche die Rolle der Eltern bei der Vermittlung des notwendigen Gemeinschaftsgefühls ausdrücklich hervorhebt.

Es wäre interessant, diesen Ansatz gerade im Hinblick auf den Wandel, den Ehe und Familie als gesellschaftliche Institutionen erfahren, weiterzuverfolgen. Schultz-Hencke, bekannt als Begründer der Neo-Psychoanalyse, griff den Gedanken A. Adlers auf, dabei stets bemüht, die verschiedenen psychodynamisch orientierten Schulen inhaltlich wieder zusammenzuführen.

Von A. Schultz-Hencke betont ausdrücklich die direkten Auswirkungen ungünstiger Erziehereinstellungen. Adler ausübte, zeigt sich weiterhin in den bei hauptsächlichen Hemmungsfaktoren: Härte und Verwöhnung. Seine Theorie ist dabei stark auf die Perspektive kindlicher Triebbedürfnisse, hier als Antriebe bezeichnet, gerichtet. Sein Oberbegriff für alle belastenden Erlebnisse ist das Hemmende , das als ,,Gehemmtheit höheren Grades" Synonym für Neurose ist.

Auch übertriebene Verwöhnung, die nur dazu dient, starken moralischen Druck auf das Kind auszuüben, sieht Schultz-Hencke als Spielart getarnter Härte. Unverkennbar ist hierbei die ungleich optimistischere Perspektive. Nach diesem kurzen Überblick über vier klassische psychoanalytische Ansätze, sind die eingangs aufgeworfenen Fragen unterschiedlich zu beantworten. Allgemeine Anlagefaktoren; z.

Bereitschaft zur Kastrationsphantasie. Inkompatibilität von Triebbedürfnissen und allgemeinen gesellschaftlichen Normenkodex. Schicksalsbedingte Partnerkonflikte: z. Abstillen, Geschwisterrivalität usw. Die beiden zuletzt aufgeführten Theoretiker betonten demgegenüber weiterhin die Wirksamkeit von Milieueinflüssen bei der menschlichen Entwicklung.

Erziehungsfehler spielen nach den Ausführungen A. ADlers und Schultz-Henckes sogar eine wichtige Rolle. Es stellt sich natürlich die Frage, inwieweit auch die Eltern ihrerseits Wünsche, Triebe u. Ein Ansatz, der von Hort-Eberhard Richter vertreten und im nun folgenden Abschnitt behandelt wird. Verführung scheitern kann? Abwehr seiner Triebbedürfnisse von den Eltern Gebrauch?

Demgegenüber fragt dieses Buch in genau umgekehrter Richtung: Wie benutzen Eltern ihre Kinder, um sich mit deren Hilfe von eigenen Spannungen zu befreien? Schon, , S. Freud und Jung betonten in ihrer späten Periode beide die Wirksamkeit von phylogenetisch bedingten und unvermeidlichen Faktoren bei der Pathogenese kindlicher Störungen.

Interessanterweise bot wiederum eine Freudsche Theorie eine Möglichkeit, die Wirksamkeit von Elterneinflüssen psychoanalytisch zu erforschen. Es handelt sich hierbei um die Freudsche Theorie des Über-Ichs. Das Über-Ich als Sitz der Realitätsprinzip, entsteht durch die Identifikation des Kindes mit den Normen der Eltern. Die ins Ich introjizierte Vater- oder Elternautorität bildet den Kern des Über-Ichs, welches vom Vater die Strenge entlehnt Freud, , S.

Wenn dies aber so ist, dann wird das kindliche Über-Ich sehr wohl von individuellen Eigenschaften der Eltern geprägt. Sind die Eltern sehr streng oder sehr mild, konsequent oder eher sprunghaft? In Abhängigkeit von diesem Erziehungsstil wird beim Kind ein entsprechend modifiziertes Über-Ich entstehen.