Psychologie schuld sind immer die anderen
Ob in der Arbeit oder im privaten Umfeld — wahrscheinlich kennen Sie auch Personen, die sich gerne als Opfer darstellen und ihre Hände stets in Unschuld waschen. An ihrer misslichen Lage, an der belastenden Situation, an Fehlern, an was auch immer — schuld sind immer die anderen oder die Umstände ODER … hier können Sie weitere Gründe einsetzen, die als Ausrede genannt werden , niemals sie selbst.
Wichtig: Dieser Beitrag handelt NICHT von Menschen, die Opfer eines belastenden Vorfalls Unfall, psychische und physische Gewalt, traumatische Erfahrung, Straftat etc. Hier geht es um Personen, die — meistens bewusst — eine Opferhaltung einnehmen, um sich daraus Vorteile zu verschaffen. Die Schuldzuweisungen beziehen sich in der Regel nie auf die eigene Person , sondern immer auf Mitmenschen oder ungünstige Umstände:.
Schuldzuweiser und Ausredenkünstler suhlen sich oft geradezu in ihrer selbst gewählten Opferrolle. Für alles, was ihnen widerfährt, suchen und finden sie die Schuld bei anderen. Das ist für das unmittelbare Umfeld anstrengend, was häufig dazu führt, dass Menschen zu diesen Personen früher oder später auf Distanz gehen oder den Kontakt ganz abbrechen.
Jeder von uns hat eine ihn prägende Vorgeschichte Erlebnisse, Erziehung etc. Im Folgenden 4 mögliche Gründe, die teils auch ineinandergreifen und in Kombination auftreten können:. Wer stets die Schuld von sich weist, ist folglich auch nie selbst verantwortlich für die missliche Lage. Aus dieser eigenen Wahrnehmung lässt sich auch nichts zu einer Besserung beitragen, man muss nicht handeln.
Bevor diese Personen aktiv werden, bleiben sie lieber in der bequemen, passiven Opferhaltung. Denn das ist wesentlich einfacher, als aktiv zu werden und sich anzustrengen. Sie erhoffen sich Mitleid und Trost durch ihre Opferrolle, denn das ist auch eine Form von Aufmerksamkeit, die ihnen dadurch zuteilwird.
Gut gemeinte Ratschläge und Tipps interessieren sie weniger. Denn letztlich wollen sie an ihrer Opferrolle nichts ändern , sondern nur Mitleid oder Aufmerksamkeit. Sie fühlen sich von Ratgebern sogar bevormundet und unverstanden. Deshalb wenden sie sich lieber an Personen, die sie in ihrem Lamento bestärken und in das Klagelied einstimmen.
Opfertypen sind meist unsichere Menschen. Mangelt es an Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein , kann das Einnehmen der Opferrolle auch von dem Verlangen nach Bestätigung und Anerkennung herrühren:. REFERENZ: Übungen aus dem Downloadpaket werden u. Hilfe zur Selbsthilfe:. Eine häufige Ursache für das Verharren im Opfermodus sind eingefahrene Gedanken- und Verhaltensmuster , die sich bereits in der Kindheit entwickelt haben.
Konstellationen, die diese frühzeitigen ungünstigen Entwicklungen vorantreiben:. Die Unterstützung wird letztlich nur dann von Erfolg gekrönt sein, wenn bei Betroffenen die Bereitschaft vorhanden ist, ihren Opferstandpunkt aufzugeben. In Ihrem unmittelbaren Umfeld gibt es einen Menschen, der an seinem Opferstatus keinesfalls etwas ändern will?
Dann bleiben Ihnen wenige Möglichkeiten:. Es kommt natürlich darauf an, in welchem Verhältnis Sie zu dieser Person stehen. Wenn Sie sich selbst hin und wieder in die Opferrolle hineinmanövrieren und das zukünftig vermeiden wollen, gehen Sie am besten so vor:. Machen Sie sich bewusst, wann genau Sie dazu tendieren, die Schuld auf andere Menschen, Umstände, … zu schieben.
Hierzu einige Reflexionsfragen :. Wenn Sie sich als hilflos wahrnehmen und glauben, keine Einflussmöglichkeiten zu haben, dann verharren Sie in der Opferfalle. Sie treffen Ihre eigenen Entscheidungen, die Ihr Leben beeinflussen. Sie bestimmen, wie Sie handeln, sich verhalten und fühlen. Nicht selten sind es Menschen mit einem geringen Selbstwertgefühl, die in die Opferrolle fallen.
Sie denken gering von sich und lehnen sich selbst ab. Sollten Sie sich darin wiedererkennen, stärken Sie Ihr Selbstwertgefühl. Je stärker Ihr Selbstwertgefühl und je mehr Sie sich selbst mögen, desto seltener werden Sie in die Opferrolle zurückfallen. Häufig resultiert die Angst aus mangelndem Selbstwertgefühl. Eine Stärkung des Selbstwertgefühls kann enorm dazu beitragen, dass das Loslassen leichter gelingt.
Oft sind es Ereignisse und Erfahrungen, die Personen in die Opferrolle drängen. Vielleicht war es bei Ihnen auch so. Passivität wirkt wie eine angezogene Handbremse und verhindert das Vorankommen, das Erreichen einer Besserung. Auch wenn Sie vollkommen schuldlos sind und in eine ungute Situation hineingeschlittert sind — machen Sie sich bewusst, dass Sie auch eigenverantwortlich zu einer Besserung beitragen können.
Und wenn es im ersten Schritt nur das Akzeptieren der eingetretenen misslichen Lage ist. Passivität bedeutet immer Stillstand, das Tun bewirkt hingegen Veränderung. Suchen Sie nicht mehr nach Ausreden oder die Schuld bei anderen. Finden Sie stattdessen Möglichkeiten, die Ihre Situation verbessern, und setzen Sie diese um.
Werden Sie aktiv! Mit jedem positiven Erlebnis werden Sie Kraft und neue Energie schöpfen und sich aus der Opferspirale befreien. Eine Stärkung des Selbstvertrauens kann enorm dazu beitragen, sich nicht mehr als Opfer zu fühlen. Es gibt viele Wege zum Glück. Einer davon ist, aufhören zu jammern. Albert Einstein zugeschrieben. Dieses ständige Lamentieren hat noch nie an einer unguten Situation etwas geändert hat.
Hin und wieder kann Jammern entlastend und befreiend wirken. Wenn es allerdings zur Gewohnheit wird, belasten Jammerer sich selbst und ziehen zudem ihre Mitmenschen mit runter, denn der Fokus ist ständig auf das Negative ausgerichtet. Der Blick auf das Positive und Schöne geht langsam, aber sicher verloren.
Personen mit eigener Opferfixierung vergleichen sich oft mit anderen Menschen. Dabei finden sie immer jemanden, der etwas besser kann oder etwas hat, was sie auch gerne besitzen würden. Sie ist gesundheitlich angeschlagen, sie hatte zwei Schlaganfälle, bedingt auch durch ihre vorangegangene ungesunde Lebensweise, wie die Ärzte bestätigten.
Die Ärzte haben ihr schon beim ersten Schlaganfall dringendst geraten, mit dem Rauchen aufzuhören sowie zu mehr Bewegung und einer Ernährungsumstellung. Das hat sie für ca. Mittlerweile isst sie zwischendurch einmal etwas Gesundes, dann einmal im Monat etwas Bewegung, nur um sagen zu können, dass sie eh das macht, was ihr die Ärzte geraten haben. Lieber schluckt sie täglich Tabletten, denn dafür muss sie sich ja nicht anstrengen, ist ja viel bequemer!
Für uns ist das alles frustrierend und wir können das auch schwer akzeptieren. Aber man kann noch so gute Ratschläge geben, sie ignoriert sie einfach. Nö, will sie nicht. Richtig zornig macht mich dann aber, dass sie immer am Jammern ist: Das kann sie nicht machen oder jenes nicht, da braucht sie Hilfe, weil sie ja gesundheitlich angeschlagen ist.
Wie Sie auch in Ihrem Artikel schreiben, fühlt sie sich so richtig wohl in der Opferrolle und nutzt andere Menschen in ihrem Umfeld aus, will ihnen Schuldgefühle einreden, obwohl sie alleinig schuld an ihrer angeschlagenen Gesundheit ist. Verwandte sind deshalb schon zu ihr auf Distanz gegangen. Leider ist es für mich als Familienangehörige nicht so einfach, das alles zu ignorieren, aber wahrscheinlich muss ich mich damit abfinden.
Naja, es ist halt sehr frustrierend. Das musste jetzt einfach mal raus. Wie Sie sehen, hat mich Ihr Artikel berührt. Vielleicht können Sie sich mit den anderen Familienmitgliedern zusammensetzen und ein gemeinsames Vorgehen absprechen, dann der Person zusammen mitteilen, dass sie diese Opferhaltung zukünftig nicht mehr ohne Weiteres akzeptieren und sich nicht mehr Schuldgefühle einreden lassen wollen.
Gemeinsam können Sie eher mit Nachdruck vermitteln, dass seitens der Familie von ihr Eigeninitiative und Eigenverantwortung zur Gesundheitsbesserung verlangt wird. Vielleicht bewirkt dieses gemeinsame Vorgehen ein Umdenken. Ich war 25 Jahre mit solch einem Schuldzuweiser und Ausredenfinder verheiratet. Letztendlich bin ich gegangen.
Und es geht mir sooo gut damit. War auch lang genug mit so einem permanenten Ausredenerfinder zusammen, der nichts weitergebracht hat, weil immer die anderen schuld waren. Bis ich mich getrennt habe. Das wollte er dann nicht wahrhaben und ist aus allen Wolken gefallen. Herzlichen Dank für diesen tollen Beitrag! Er bestärkt mich in meiner seit ein paar Jahren trainierten Haltung gegenüber diesen Jammerlappen.
Schwieriger ist das im beruflichen Alltag. Meine Erfahrung dort ist, dass diese Jammerlappen auch noch höchst intrigant sind. Und das macht eine vertrauensvolle Zusammenarbeit unmöglich. Hier kann ich allen Mitbetroffenen nur raten: Lasst sie auflaufen! Sie entlarven sich selbst über kurz oder lang durch ihre negative Performance.
Das merkt irgendwann auch der dümmste Chef. Bleibt aber im persönlichen Umgang stets korrekt — am besten überfreundlich! Und dass dann für mich alleine abzuhaken, fällt mir schwer. Ich bin von Jugend an darauf getrimmt worden, mich für andere einzusetzen, mich für andere zurückzunehmen. Wenn ich das dann tat, bekam ich Lob und Anerkennung.
Dadurch kommt man schnell in diese Opferrolle und darunter entwickelt sich kein Selbstwertgefühl. Beruflich habe ich einen geradlinigen Weg hinter mir, der jetzt mit dem Ende der Selbstständigkeit eventuell auch nicht gut endet — aber das will ich hier nicht vertiefen.