Walter white psychologie

Nach der ersten an Action übersatten Folge schien die Serie also bereits zu Ende zu sein, weil ihr Protagonist in einer ausweglosen Sackgasse steckte. Aber da ging alles erst los. Breaking Bad — prägnanter als bereits im Titel könnte die Ansage an den Handlungsverlauf nicht formuliert sein: Dass es nie gut, sondern immer schlecht wird, steht von vornherein fest. Ungewiss ist nur, wie viele Kreise die Hölle hat.

Breaking Bad ist auch — und vielleicht vor allem — eine Serie über Chemie. Wie chemische Elemente, die sich in einer veränderten Konstellation automatisch in etwas Neues verwandeln, so reagieren auch ihre Figuren aufeinander. Es ist, als hätten die Drehbuchautoren wie Hexenmeister über dem brodelnden Kessel ihrer Erzähl-Optionen hantiert: Eine Prise von diesem oder jenem — schon explodiert der Handlungsverlauf in ganz unerwarteter Weise.

Das hat nichts mit Moral zu tun und auch nicht mit Psychologie, sondern einfach nur mit dem technischen Gesetz reiner Kombinatorik. Walter Whites so stoisch wie ein Mantra immer wieder vorgetragene Behauptung, er tue das alles nur zum Wohl der Familie, entpuppt sich zum Beispiel schon früh im Serienverlauf als vorgeschobener Grund.

Halt bietet vor allem Bezifferbares: also das Geld, das man zählen und die GPS-Koordinaten, anhand derer man es in seinem Versteck in der Wüste finden kann. Die Figuren funktionieren zueinander wie Einsen und Nullen. Antipsychologisch, wie diese Serie nun einmal funktioniert, verhalten sich auch ihre Figuren zueinander wie Einsen und Nullen. Und hat je jemand darauf geachtet, dass in dieser Serie Mode keine Rolle spielt?

Man sah Walter White schon am Ende der allerersten Folge nur mit einer schlabbrigen Unterhose bekleidet. Von nun an: Funktionskleidung, nicht nur an ihm, sondern auch an allen anderen. Was gerade zu tun ist, die Situation, der Handlungsspielraum und die Kombination der verschiedenen gerade aufeinander reagierenden Figuren diktiert die Kleiderordnung.

Das Sein bestimmt das Bewusstsein — allerdings in ziemlich schnell wechselnder Taktung. In der letzten Folge kommt es noch einmal zu einer Aussprache zwischen White und seiner Frau. Genau genommen zu einer Beichte, die ein erstes Mal, und natürlich unter zugespitzten Bedingungen, nach Wahrheit klang. Warum er dies alles getan habe? Etwa für die Familie?

White sagt in diesem Moment drei Sätze, und sie klingen alle sehr nackt, denn alle fangen mit 'ich' an: I liked it. I was good at it. I was alive. Ist also das das Leben? Der Todestrieb? Das wäre, angesichts dieser so unpsychologischen Serie womöglich eine etwas zu psychologische Vermutung. Aber doch: I liked it. Was, nach all dem, für ein Satz!

Und wir? Wir haben es gemocht, nein, geliebt, aber wir haben es auch gehasst, und sind, bis der Kater kommt, nun erst mal froh, dass es vorbei ist. Denn das war alles viel zu anstrengend. Jetzt teilen auf: Facebook Facebook twitter Twittern Flipboard Flippen Whatsapp WhatsApp Facebook Messenger Facebook Messenger Pocket Pocket Mail Mailen Artikel drucken.