Christentum vs psychologie
Erleben und Verhalten der ersten Christen. Eine Psychologie des Urchristentums. Verlag: Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus EUR 39, ISBN Petra von Gemünden [Hrsg. Beiträge zur psychologischen Erforschung des frühen Christentums. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus EUR 34, Auf die Darstellung des Urchristentums aus religionswissenschaftlicher Sicht Die Religion der ersten Christen, lässt der Heidelberger Neutestamentler erneut ein umfangreiches Werk folgen, nun »eine Psychologie der urchristlichen Religion«.
Sie macht es sich zur Aufgabe, »das religiöse Verhalten und Erleben der ersten Christen [zu] beschreiben, ordnen, verstehen und [zu] erklären« Legen beide Bücher eine Gesamtsicht vor, so zeichnet sie auch aus, dass sie einen für den Bereich der Neutestamentlichen Wissenschaft je auffälligen methodischen Zugang wählen. Jedoch, dass eine » hermeneutische Psychologie« 17 an der Zeit ist, wird einleuchten, da die wissenschaftliche Psychologie neuerdings auch die Beschreibung des inneren Erlebens methodisch akzeptiert und es sich auf Grund einer heutigen psychologischen Wirklichkeitsdeutung gar nicht vermeiden lässt, dass bei der Auslegung frühchristlicher Schriften psychologische Annahmen ins Spiel kommen.
Wer möchte da nicht wegen des angemessenen Verständnisses urchristlicher Quellen eine valide psychologische Theoriebildung erhalten, die zu einleuchtenden psychohistorischen wie textpsychologischen Ergebnissen führt? Diese Erwartung trifft bei Th. Hinsichtlich der Fragen, welche Wirklichkeit der Begriff »Urchristentum« meint und welche Quellen die Erforschung seiner Wesentlichkeiten leiten, bekommen die Leser von Th.
Vielmehr setzt Th. Wer die Vielfalt urchristlicher Gemeindeentwicklung und die Verschiedenartigkeit ihrer theologischen Anschauungen kennt, erlaubt Th. Hin und wieder wird die Aufmerksamkeit auf Texte der sog. Apostolischen Väter gerichtet. Das MkEv und das lk Doppelwerk, aber auch die Apk werden weniger intensiv konsultiert.
Beachtenswert bleibt, dass in Abschnitt VI. Damit demonstriert Th. Dass Th. In konstruktivistischer Weise kombiniert Th. Dabei ist Th. Um dem Anachronismusvorwurf zu entgehen, mit der historischen Psychologie gegenwärtige Vorstellungen in die vergangene Zeit hineinzuprojizieren, setzt Th. Seele und Leib« 49— In ihm versucht er aufzuzeigen, dass die Erfindung des inneren Menschen in der Antike, so in der klassischen griechischen Philosophie einerseits und der schriftgelehrten Theologie Israels andererseits, in der Zeit ab dem 6.
Im Rahmen einer »pluralistische n Religionstheorie Gegen die Bedrohung des »inneren Menschen« durch eine Remythisierung von Dämonen und Geistern wird dieser im Urchristentum »durch eine vertiefte Sicht des Menschen neu gebildet und gefestigt« Diese Aufgabe übernimmt im Urchristentum grundsätzlich der »heilige Geist«, der als »das positive dissoziative Selbst In literarischer Hinsicht mache das MtEv in autodynamischer Tendenz von einem ethischen Menschenbild Gebrauch, das JohEv entwickele in heterodynamischer Tendenz eine soteriologische Anthropologie der Erlösung, während Paulus in transformationsdynamischer Auffassung eine Synthese zu beiden bilde vgl.
Die Fähigkeit des Urchristentums besteht nach Th. Die entscheidende Vermittlungsinstanz zwischen der Virtuosen- und der Alltagsreligion bildet dabei für Th. Religiöse Gefühle entzünden sich Das Bittgebet des Alltags und die Geisterfahrung der Glossolalie werden in der christologisch begründeten Gebetsmystik im JohEv zusammengeführt.
Wenn Menschen aus ihrer Lebenswelt herausgerissen werden, haben sie in der Nachfolge Jesu sowohl ein Vorbild dafür, die vertraute Alltagswelt zu verlassen, als auch ein Vorbild dazu, in der Welt zu wirken. Zwischen normalreligiösem Grundvertrauen und extremer Wundermacht steht die Gewissheit, dass der Glaube selbst ein Wunder ist Die Deutung der Welt als gegenwärtige Schöpfung und vergehende Welt wird durch Christus überbrückt: Er repräsentiert in dieser Welt die neue Schöpfung« Ist Th.
Heuristisch einleuchtend unterscheidet Th. Darum lässt sich nicht von der Hand weisen, dass es Th. Die einzelnen Ergebnisse von Th. Es bleibt aber darauf hinzuweisen, dass für Th. Der Umgang mit psychologischen Deutungskategorien der antiken Wirklichkeit ist ordnend wie begrifflich erhellend und, wenn Th.
Wer Schwierigkeiten mit einer Gesamtdarstellung hat, sollte zuerst die übersichtliche Zusammenfassung am Schluss aufschlagen — Das Buch ist übersichtlich gestaltet und kann auch in einzelnen Gliederungsabschnitten studiert werden. Es enthält kaum orthographische Fehler. Verschiedene Tabellen helfen bei der systematischen Anschauung psychologischer Erkenntnis. Das Werk wird durch ein Literaturverzeichnis und ein Bibelstellenregister abgeschlossen.
Ein Stichwortregister fehlt, so dass der schnellen, aber oftmals oberflächlich bleibenden Orientierung entgegengewirkt wird. Ziel von Th. Es zeichnet die Qualität der Darstellung von Th. So wird u. Mit diesen Einsprüchen aber wird die Leserschaft motiviert, Th. Sie kann! Das oben rezensierte Werk von G. Bedauerlicherweise setzt sich jedoch nur der Beitrag von M.
Leiner, das mit dem fragenden Titel »Dem Evangelium die Seele wiedergeben? Grundsätzliche Fragen einer Psychologie des Urchristentums« 29—54 zu erläutern versucht. Nach L. Deshalb ist sie dem von F. Hervorhebenswert scheint mir der Beitrag von D. Horrell »Leiden als Diskriminierung und Martyrium«, — zu sein, der 1Petr 4,16 mit Hilfe der psychologischen Strategie der Selbststigmatisierung interpretiert und damit den für die christliche Märtyreridentität bedeutsamen Vorgang der Umwertung des Schlüsselbegriffs »Christ« zu einem Ehrbegriff erläutern hilft.
Im zweiten Teil des Bandes wird unter den thematischen Begriffen »Erkennen und Reden« auf die Psychologie der rhetorischen Kommunikation im Urchristentum geachtet. Besonders erwähnenswert scheinen mir die Beiträge von D. Mitternacht zum Gal und von P. Lampe zu 2Kor 10—13 zu sein: Mitternacht »Wahrnehmungen und Bewältigungen einer Krisensituation«, — versucht mit sozialpsychologischer Theoriebildung zu zeigen, dass die von Paulus bekämpfte Toraübernahme bei Völkerchristen als »Resultat gesellschaftlichen Drucks« zu erklären sei.
Es ging um »Lastenerleichterung« in einer Situation, als »sozio-politische und religiöse Privilegien der jüdischen Gemeinde« unerreichbar waren. Im dritten Teil beschäftigen sich unter dem zweiteiligen Oberthema »Affekte und Bewertung« die Studien zu frühjüdischen und urchristlichen Texten mit der Affektdarstellung Lk 15,11—32 und -kontrolle weisheitliches Schrifttum; 1QS; Herm.
Anzeigenswert erscheint mir K. Weniger überzeugend wirkt auf mich der Beitrag von A. Inselmann »Affektdarstellung und Affektwandel in der Parabel vom Vater und seinen beiden Söhnen«, — , insofern sie den metaphorischen Widerspruch des Textes gegen ein weisheitliches Gerechtigkeitsdenken auf ein lerntheoretisches Handlungskonzept zu reduzieren versucht vgl.
Einzelne Skizzen veranschaulichen die Überlegungen der Autoren. Bei den Aufsätzen von P. Lampe »Psychologische Einsichten Quintilians in der Institutio Oratoria«, — und von B. Mutschler »Pistis und Gnosis«, — ist ein Bezug zur psychologischen Thematik weniger deutlich; als wichtige Beiträge gehörten sie doch eher in den Bereichen Antike Rhetorik bzw.
Frühchristliche Theologie veröffentlicht. Der Blick mit dem psychologisch zurückhaltenden Beitrag von S. Craffert »Neutestamentliche Forschung nach der Revolution in den Neurowissenschaften«, 91— zutage tretende Missverhältnis von Theorie und Ergebnis vgl. Jedoch gilt für das neuzeitliche Denken auch und gerade: Der Fortschritt ist ein Eichhörnchen. So ist der unabweisbare Erkenntnisgewinn durch psychologische Textauslegung besonders bei denjenigen Beiträgen des Sammelbandes abzulesen, deren Autorinnen und Autoren aus Erfahrung von der Leistungsfähigkeit, aber auch der Begrenztheit der ansonsten bewährten methodischen Zugänge zu urchristlichen Texten und ihren Lebenswelten überzeugt sind.
Und das ist im Falle der Psychologie das auch für das antike Urchristentum zutreffende Bild vom Verhalten und Erleben von Individuen.